Gnadenloser Konkurrenzkampf

Viele Menschen benutzen das Geld, das sie nicht haben, für den Einkauf von Dingen, die sie nicht brauchen, um damit Leuten zu imponieren, die sie nicht mögen.

Dieses Zitat des österreichischen Schauspielers » Walter Slezak haben wir in dieser oder abgewandelter Form wohl schon mal gehört oder gelesen. Habt ihr euch dazu auch schon einmal Gedanken gemacht?

Mal ehrlich. Wer von euch hat nicht schon einmal einen neidischen Blick auf eine Neuerwerbung einer Kollegin, einer Freundin, einer Bekannten oder Verwandten geschielt, und sich dabei gefragt, wie sie sich das leisten kann? Und wer hat sich selbst nicht schon einmal in diesen Blicken gesonnt, wenn man sein eigenes neuerworbenes Prachtstück vorgeführt hat?

Dabei ist es völlig egal, ob wir das, was wir da vorführen, wirklich gebraucht haben (die Definition, was man braucht, ist wieder eine andere Geschichte), oder nicht.

Habt ihr noch nicht gemacht? Hand auf’s Herz: Wer von euch besitzt ein Smartphone und holt sich auch brav mit jeder Vertragsverlängerung, oder beim Anbieterwechsel, das nächste Modell, obwohl das Alte noch einwandfrei funktioniert?

Oder habt ihr euch schon einmal darüber Gedanken gemacht, dass dieses neue Smartphone auf Pump gekauft wird? Dabei hat man doch das Alte gerade erst abbezahlt …

Das ist nur ein kleines Beispiel in einer scheinbar endlos langen Liste.

Fakt ist: Viele Menschen kaufen mittlerweile Konsumgüter auf Pump. Sei es der neue Fernseher, ein neues Auto, der Urlaub in der Karibik, Kleidung, Schuhe, Computer, Möbel und so weiter. Dafür werden Finanzierungsangebote der Händler in Anspruch genommen, Kreditkarten genutzt, Dispos ausgereizt und Kredite aufgenommen.

Es wird uns ja auch denkbar einfach gemacht. “Kauf jetzt, zahl später.” Die netten Briefchen von der eigenen Bank, dass man sich einen Kredit über mehrere Tausend Euro verdient hätte; der Dispo, den man ohne Eigeninitiative eingeräumt bekommen hat; die Aufforderung unserer Regierung, dass wir konsumieren sollen, um die Wirtschaft anzukurbeln; die 0%-Finanzierungen vieler Händler.

Und die schier endlosen Auswahlmöglichkeiten zwischen Marke A bis Z.

Ist es da ein Wunder, dass viele private Haushalte in Deutschland (in den USA ist es noch extremer) verschuldet sind? Dass immer mehr Menschen Privatinsolvenz anmelden müssen, weil sie ihre Gläubiger nicht mehr bedienen können?

Und das Alles nur, weil wir mittlerweile darauf geeicht sind, unseren Mitmenschen mit dem neuen Auto, dem Fernseher, der schicken Wohnung, den Designermöbeln oder auch den Handtaschen imponieren zu müssen. Und wir lassen uns umgekehrt doch auch beeindrucken, wenn der gebügelte Kollege mit dem neuesten Tablet ins Büro spaziert, oder die graue Maus vom Schreibtisch nebenan auf einmal mit einer Designerhandtasche aufwartet.

Darüber sollte man wirklich mal nachdenken. Tut’s nicht auch der gebrauchte Kleinwagen? Muss es wirklich die 4-Zimmer Wohnung im schicken Viertel sein? Designermöbel sehen auch nicht besser aus, als die normale Variante.

Und wenn ich drüber nachdenke? Laufe ich die 15 Minuten von der U-Bahn in die Arbeit lieber mit dem Rucksack, als mit der tollen Designerhandtasche.

In diesem Sinne: Konkurrenz belebt nicht immer das Geschäft. Im Gegenteil. Im schlimmsten Fall? Führt der Konkurrenzkampf auf dem direkten Wege in die Privatinsolvenz.

Antonia

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Einfach nur ein Mädel Mitte 30, dass sich mit allen möglichen Sachen beschäftigt, und dies der Welt auch kundtun möchte.
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2 Responses to Gnadenloser Konkurrenzkampf

  1. Außerordentlich leserlicher Blog. Wo könnte ich den Verfasser kontaktieren?

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